Betroffene erzählen


Vorwort
Leiden nach Zeckenbiss
Auf der Suche nach der Gesundheit
Lebensgeschichte von Kaspar
Lebensgeschichte von Felizitas

Vorwort

Unter diesem Titel veröffentlicht die Liga für Zeckenkranke Lebensberichte von Betroffenen oder deren Angehörigen. Dabei geht es darum, die Vielfalt der Probleme, denen Zeckenkranke täglich begegnen, exemplarisch aufzuzeigen und darauf aufmerksam zu machen, dass sich viele Schwierigkeiten in gleichen oder ähnlichen Abläufen ständig wiederholen: Immer wieder stossen Betroffene bei Ärzten auf Unverständnis und machen eine Odyssee von Arzt zu Arzt durch, bis endlich die richtige Diagnose gestellt wird. In dieser aufgezwungenen Wartezeit wird die beste Chance auf eine Heilung vertan. Wenn der Patient überhaupt zu einer adäquaten und erfolgreichen Behandlung kommt, hat er Glück gehabt. Viele werden immer noch falsch diagnostiziert und ungenügend behandelt. Solche Patienten werden häufig in eine gesundheitlich abwärts führende Spirale gezogen, welcher sie nur schwer mehr entrinnen können. Wenn die Ärzte nicht mehr weiter wissen, werden solche Patienten oft als Psychopaten abgestempelt und landen schliesslich als unheilbar Kranke in der Invalidenversicherung. Unwissen und Vorurteile gegenüber den von Zecken übertragbaren Krankheiten tragen somit direkt dazu bei, die Krankheits- und die Invaliditätskosten weiter ansteigen zu lassen.

Betroffene haben in diesem Gefäss die Möglichkeit, sich persönlich zu ihrer Krankheit und ihrem Schicksal zu äussern. Die vorgestellten Lebensgeschichten geben das subjektive Empfinden der Betroffenen wieder. Es sind somit Berichte aus der persönlichen Sicht der Betroffenen und nicht wissenschaftlich präzise Abhandlungen. Die ansichten der Autoren der einzelnen Berichte muss nicht mit der Meinung der Liga für Zeckenkranke übereinstimmen. Die Berichte wurden redaktionell überarbeitet um den Persönlichkeitsschutz zu wahren. Auf inhaltliche Änderungen wurde verzichtet, soweit nicht offensichtliche Irrtümer vorliegen. Liga für Zeckenkranke Schweiz
Toni Stauffer


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Leiden nach Zeckenbiss.

(Bericht als pdf)

Bericht von Theodor
Im Juli 1986 wurde mein Mann am Kopf von einer Zecke gebissen. Sofort entfernte ich diese und wir dachten nicht mehr daran. Einen Monat später, an einem Sonntag, wurde er plötzlich ohnmächtig, was aber schnell wieder verging. Aber innert kurzer Zeit passierte es noch vier Mal. Der herbeigerufene Arzt lieferte ihn mit der Ambulanz ins Spital. Leider erwähnten wir den Zeckenbiss nicht und so stellten sie fest, dass er irgend einen Virus hatte. Zehn Tage verbrachte er im Spital ohne einen genaueren Bescheid zu erhalten.
Von da an war nichts mehr so wie es mal war, oft fühlte er sich nun unwohl und er ermüdet sehr schnell. Seine Nerven waren nicht mehr belastbar. Nach drei Jahren, im Jahr 1989, schickte ich ihn zur Untersuchung ins XXXXspital mit der Begründung, ihn speziell auf den Zeckenbiss zu untersuchen. Nach fünf Tagen schickten sie ihn als Simulanten nach hause, jedenfalls gaben sie ihm dieses Gefühl. Also verging wiederum einige Zeit, in der er mehr oder weniger immer irgend welche Beschwerden hatte, sich aber keinem Arzt mehr anvertrauen wollte.
Im 1991 bekam er genau vor Weihnachten einen schlimmen Schub und konnte kaum mehr gehen. Auf meinen Rat hin meldete er sich bei Dr. AAAA, der ihm Antibiotika verschrieb. Das Medikament brachte ihn aber total durcheinander, und er brach die Kur ab. Nun begleitete ich ihn noch zu einer Naturheilerin, die ihn etwas aufmunterte, aber nicht helfen konnte. Ich muss erwähnen, dass mein Mann in all diesen Jahren trotz den vielen Beschwerden mehrheitlich zur Arbeit ging, weil das für ihn Ablenkung war.
Leider musste er den Fussball, später auch das Turnen aufgeben. Von Zeit zu Zeit bekam er immer wieder einen Schub, am meisten litt er unter Gelenkbeschwerden und Schwindel. Im 1992, an einem Nachmittag, bekam er sehr starke Unterleibschmerzen, genauer gesagt in der Magengegend. Der Notfallarzt verabreichte ihm eine Spritze, die aber nichts brachte und so wurde er wiederum ins Spital eingeliefert. Es wurde eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung festgestellt, ausgelöst von einem Gallenstein. Fünf Tage wurde er künstlich ernährt und konnte dann für eine Woche nach hause.
Anschliessend musste er sich noch die Gallensteine operieren lassen. Obwohl er es mir nie sagte, glaube ich, dass er kein Tag mehr ohne irgendwelche Beschwerden lebt, ein Blick in sein Gesicht, und ich weiss, wie es ihm geht.
Im Sommer 1993 lernte er das tropische Klima kennen, und da fühlte er sich bedeutend besser. Schlechter geht es ihm bei nass-kaltem Wetter. Durch all die Schmerzen und das Unwohl sein hat er sich als Mensch sehr verändert, und trotzdem beklagt er sich nie. Auch das Jahr 1994 geht nicht ohne irgendwelche neu hinzukommenden Beschwerden vorbei, und an vieles haben wir uns inzwischen schon gewöhnt, so brutal es auch ist.
Im 1995 kommen sehr starke Rückenschmerzen hinzu. Auch wurde bei ihm ein Magengeschwür festgestellt, das er dann mit Medikamenten wieder los wurde, aber seither hat er öfters Magenprobleme. Nun probiert er es noch mit einer Bioresonanz-Therapie, die kann ihn zwar auch nicht heilen, baut aber das Immunsystem immer wieder auf. Auch lässt er sich alle Amalgamplomben entfernen, weil die noch zusätzlich seinen Körper belasten. 1996 nun lässt bei meinem Mann die Ausdauer extrem nach, sehr schnell wird er müde und kraftlos. Er gibt es aber nicht zu, und umso schlimmer ist es dann nachher, wenn es kaum mehr geht.
Im 1997, ausgerechnet nach einer schönen Ferienwoche in Ägypten, wird er am letzten Tag sehr krank und beim Heimflug geht es ihm gar nicht gut. Immer und immer wieder muss er einen Schub über sich ergehen lassen, was ihn auch jedes Mal sehr mitnimmt.
Aber auch von nichts wurde er verschont. Als ihm im 1998 am Hals plötzlich eine Drüse sehr stark anschwoll, musste er sie durch eine Operation entfernen lassen. Grosse Probleme machen ihm auch die Beine, oftmals hat er fast keine Kraft mehr in ihnen und starke Schmerzen. Er aber kämpft sehr dagegen an, und wir unternehmen immer wieder kleinere Spaziergänge. Das 1999 verlief etwa gleichermassen und wir haben uns jetzt schon an vieles gewöhnt, nehmen jeden Tag so wie er kommt. Mein Mann will, wenn möglich, nicht viel über seine Krankheit sprechen, sondern probiert sich mit allem möglichen abzulenken.
Das Jahr 2000: Immer mehr und mehr macht ihm die tag-tägliche grosse Müdigkeit zu schaffen. Zu jeder Tageszeit, egal was er macht, er könnte nur noch schlafen und schlafen. Ende Jahr musste ich, weil ihn sehr starke Schmerzen in der Magengegend plagten, den Notfallarzt herbeirufen, aber auch der war wiederum ratlos.
Auch das Jahr 2001 verging nicht ohne die immer wiederkehrenden Schübe und die jedes Mal stärker zurückbleibenden Schäden. Sehr stark nachgelassen hat nun auch sein Gehör. Im 2002 musste er sich erneut einer Operation unterziehen. Eine stark wachsende Drüse an der linken Leiste bereitet ihm grosse Schmerzen. Im Mai, nach einem etwas längeren Spaziergang, überfiel ich wiederum ein schlimmer Schüttelfrost, danach hohes Fieber und ein totaler Zusammenbruch. Ich aber durfte keinen Arzt verständigen. Später brachte ich ihn ins Bett, wo es ihm aber sehr schwindlig wurde. Es folgte eine schlimme Nacht, aber am andern Tag ging er wieder zur Arbeit.
Von da an wollte dieser Schwindel nicht mehr vergehen und er liess sich bei einem Spezialisten untersuchen. Die Diagnose lautete auf Gleichgewichtsstörungen, wofür der Arzt Medikamente verschrieb und Medikamente nimmt er nur, wenn es gar nicht mehr anders geht.
Nun schickte Dr. AAAA sein Blut nach BBBB um da auch noch den Borreliose Test zu machen und wiederum wurde er auf diese Krankheit bestätigt. Danach machte er bei ihm eine 2x sechs Wochen Infusions-Behandlung, wobei er sich aber von der Behandlung mehr erhoffte.
2003: Seit dieser Kur ermüdet er aber wiederum noch schneller als bisher. Als sich wiederum ein Schub bemerkbar machte, wollte der Arzt erneut eine solche Kur machen, aber diesmal war er nicht dazu bereit und liess sich andere Antibiotika verschreiben. Das Jahr 2004 fing abermals nicht gut an, denn in der zweiten Woche schon überfiel ihn eines Abends erneut ein starker Schüttelfrost, danach Fieber und starke Gliederschmerzen. Seit diesem Abend hat er sich noch nicht richtig erholt.
In all diesen Jahren des Auf und Ab ging aber mein Mann mehrheitlich regelmässig zur Arbeit. Das ist die 18-jährige Leidensgeschichte meines Mannes, all dies habe ich mitbekommen, aber vieles mehr noch hat er mir verschwiegen, mit der Begründung, das er mit einigen Sachen alleine fertig werden muss.


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Auf der Suche nach der verlorenen Gesundheit

Bericht als pdf

Hier der Bericht von Annagret:
Nach einem Zeckenbiss: Erfahrungen, Erkenntnisse, Gefühle... Es war Ende 1996 als ich erstmals einen unerklärlichen Schmerz besonders am rechten Knie verspürte - ein Schmerz, der mich während Jahren begleiten sollte - zusammen mit einem Dutzend weiterer Gebrechen, denen ich mit Hilfe von ebenso vielen Ärzten und in sechs verschiedenen Spitälern und Kliniken Herr zu werden versuchte.

Aber der Reihe nach: Zum ersten Mal seit Jahren suchte ich Ende 1996 einen Arzt auf, einen sogenannten „Hausarzt“ hatte ich nicht – ich verfügte ja glücklicherweise über eine robuste Gesundheit und meine bis anhin aufgetretenen Gebrechen hatte ich jeweils mit Hausmitteln kuriert. Die erste Diagnose lautete auf „Venenentzündung“; das verschriebene Mittel blieb ohne Wirkung. Anfangs Dezember fühlte ich mich von einem Tag auf den andern wie 10 Jahre älter: Müde, erschöpft ob der kleinsten Anstrengung, abgeschlagen! Die 60-Jahr-Grenze hatte ich zwar kürzlich überschritten – aber woher dieser plötzliche Umsturz? Eine Freundin, der ich darüber berichtete, lachte: „Wer fühlt sich in diesem Monat der kurzen Tage und des erhöhten Leistungsanspruchs nicht müde und schlapp?“ Ich hatte damals eine 50%-Stelle inne, deren Anforderungen ich nebst Haushalt mit Sohn und Garten etc. gut gewachsen war. Es war kurz vor Weihnachten als der Arzt eine Blutsenkung anordnete, die über 70 anzeigte und mich notfallmässig ins Spital in PPPP einwies.

Dort wurde ich während einer ganzen Woche weiteren Untersuchungen unterzogen: Jeden Tag wurden Blut und Blutkulturen getestet, Urin und Stuhlgang nach möglichen Krankheitskeimen durchforscht, mit dem Resultat: Keine Endocarditis, keine Leukämie, keine Gicht etc. – nichts ausser ein wenig Fusspilz wurde gefunden. Allerdings fragte mich einer der jungen Assistenzärzte, ob ich von einer Zecke gebissen worden sei, worauf ich an das Vorkommnis vor ca. 30 Jahren erinnerte, als ich damals in RRRR wohnhaft, eine Zecke in den Haaren entdeckte. Leider machte ich ihn nicht darauf aufmerksam, dass ich oft im Wald am Pilze suchen gewesen war.

Meine nächtlichen Schweissausbrüche mit anschliessender Dusche hatten einen sogenannten „Hexenschuss“ zur Folge, der jedoch den Ärzten nicht weiter suspekt vorkam. Nach einer Woche stellten sie mir frei, das Spital wieder zu verlassen, was ich auch tat.

Die Schmerzen im Knie wurden nun durch den sogenannten „Hexenschuss“, die Schmerzen im untern Rückenteil übertönt, die Rückreise zu meiner Wohnung, 25 km ausserhalb von PPPP, konnte ich nur dank der Hilfe von Schwester und Sohn im Auto antreten. „Schwitzen kann ich auch im eigenen Bett“, sagte ich mir, Tee und etwas Essbares zubereiten ebenfalls. Jede Nacht wachte ich mehrmals schweissüberströmt auf, wechselte mit Hilfe meines Sohnes in ein trockenes Pyjama, trank den bereitgestellten Tee und schlief wieder ein.

Nun, da mir die sogenannte „Schulmedizin“ nicht helfen konnte, wechselte ich zu einem Homöopathen, einem der besten auf dem Platz PPPP. Eine Nachbarin, ehemalige Turnlehrerin, versuchte mir mit gezielten Turnübungen zu helfen, eine andere Bekannte kam regelmässig vorbei, um ihre frisch erlernten Heilpraktiken von Lymphdrainage und Shiatsu an mir zu erproben – wenigstens während 1-2 Tagen fühlte ich mich dann etwas besser. Im März 1997 nahm ich meine Berufstätigkeit als Sachbearbeiterin in einem grösseren Unternehmen halbzeitig, d.h. zu 25% wieder auf – man hatte mir gedroht, die Stelle ansonsten anderweitig zu besetzen.

Die erste Lektion, die mir meine Krankheit erteilte, ist die, dass es nicht genügt, einem Arzt zu sagen, man fühle sich „müde“, besonders wenn er uns nicht von früheren Behandlungen her kennt. Ich habe später die Erfahrung gemacht, dass ich meine Müdigkeit beschreiben muss, z.B. indem ich erzähle, wie ich in einem Geschäft kaum mehr stehen konnte und dann kurzentschlossen den einzigen Stuhl, der herumstand, von den darauf liegenden Utensilien befreite und mich darauf setzte. Oder wie ich anlässlich eines Tagesausfluges jede beliebige Bank als Liegestelle in Anspruch nahm.

Gefühlsmässig war ich vor allem verunsichert: Nachdem ich ausser einer gelegentlichen Grippe oder einer Erkältung nie ernsthaft erkrankt war, wusste ich nicht, wie „schlecht“ man sich fühlen muss, um als „krank“ zu gelten. Irgendwie spürte ich, dass ich die Ursache meines Unwohlseins herausfinden musste. - Nun, da ich viel mehr Zeit in meiner Wohnung verbrachte, lernte ich erstmals den Trost schätzen, der von Musik ausgeht: Zum 200-jährigen Geburtsjahr von Franz Schubert wurde am Radio in diesem Jahr täglich ein „Schubert-Almanach“ gesendet mit Musik und Tagebuch- oder anderen Notizen dieses Komponisten. Besonders das Lied „Der Einsame“ ist mir in Erinnerung geblieben: Wie tröstlich und witzig zugleich!

Im April nahm ich zwei Wochen Ferien und erfuhr zum ersten Mal die heilbringende Wirkung des südspanischen Klimas. Ich hatte in UUUU (Provinz AAAA), einem kleinen Städtchen am Meer, ein Jahr zuvor eine kleine Wohnung erstanden. Von meinem Spanienaufenthalt in jungen Jahren her hatte ich noch eine befreundete Familie und entsprechende Sprachkenntnisse. Mit tausend Freuden konnte ich nun diese Wohnung in Besitz nehmen, Ruhe und Sonne und Meer geniessen – soweit dies mein schmerzendes Knie erlaubte.

Zurück in der Schweiz nahm ich erstmals eine Behandlung bei einem Chiropraktiker auf und machte die leidige Erfahrung, dass die Schmerzen eher zunahmen.

Ende Juni wollte ich meinen 60. Geburtstag endlich feiern, hatte alle Einladungen verschickt, die Vorbereitungen getroffen – und landete statt dessen im Spital in QQQQ. Aus unerklärlichen Gründen hatte ich sehr starke Bauchschmerzen, eine unerklärbare Verstopfung, und wurde nach einer Woche ohne weitere Diagnose entlassen.

Eine wichtige Lektion die ich lernen musste: Mein Körper hat Priorität, ohne ihn kann ich nichts unternehmen. Also lohnt es sich, jeden Moment auf seine Signale zu hören, meine Pläne nach ihm zu richten.

Ich schleppte mich weiter durch den Alltag und konnte (endlich) meinen Arzt davon überzeugen, dass er mir eine Kur verschrieb. In Begleitung meines Sohne (allein hätte ich die Reise nicht geschafft) ging es nach SSSS in die Nähe meiner Heimatstadt TTTT. Während drei Wochen genoss ich die herrliche Umgebung; Massagen und Moorbäder waren wohltuend - der Ursache meines Übels kam ich jedoch nicht näher.

Bereits im Oktober reiste ich wieder nach UUUU, diesmal für drei Wochen, und diesmal fühlte ich mich auch dort nicht nur behindert, sondern geschwächt und krank, da konnten auch die Fussreflexzonen- und andere Massagen nicht viel helfen.

Die Schmerzen hatten sich unterdessen vom Knie über den untern Rückenteil bis zu den Schultern und in die Finger ausgebreitet. Zudem machte ich die Erfahrung, dass meine Arme oft „einschliefen“, was auf ein CTS (Carpal-Tunnel-Syndrom) zu schliessen schien. Zum ersten Mal benötigte ich Mittel gegen die Schmerzen, von dem mich behandelnden Homöopathen nur ungern verabreicht. Schliesslich sah auch er ein, dass mein Zustand trotz verabreichter Globuli schlechter und schlechter wurde und war bereit, mich an einen Rheumaspezialisten in RRRR zu überweisen, ein guter Diagnostiker, wie ich von Freunden wusste. Und siehe da: Nach wenigen Konsultationen und einigen Röntgenaufnahmen stand für ihn fest: Borreliose. Gleichzeitig überwies er mich an den Spezialisten ebenfalls in RRRR, der nach weitern Untersuchungen, Bluttests und Röntgenaufnahmen zur gleichen Diagnose kam. Er schrieb mich sofort zu 100% krank. Endlich eine Diagnose, dachte ich erleichtert. Jetzt kann es aufwärts gehen, war ich der festen Überzeugung. Von dieser Krankheit hatte ich kaum gehört, hatte keine Ahnung was mich erwartete.

Anfang Januar 1998 konnte mit der Antibiotika-Behandlung angefangen werden. Die Rocephin- Infusionen wurden mir von einer Freundin (Krankenschwester von Beruf) verabreicht (ohne Bezahlung seitens der Krankenkasse). Nach 8 Tagen trat eine allergische Reaktion auf mit über 39° Fieber. Als Folge davon verordnete der Arzt in RRRR eine Behandlung mit Penicillin- Infusionen, die täglich in seiner Praxis in RRRR zu erfolgen hatten. Zum Glück hatte ich verständnisvolle und gastfreundliche Verwandte in der Stadt, die mich während dieser Zeit aufnahmen und betreuten.

Als mich der Spezialist nach einem Monat entliess mit der Bemerkung, dass der Körper wohl noch ein Jahr brauche, bis er sich vollkommen erholt habe, glaubte ich ihm nicht. Zeit meines Lebens war ich nie wirklich krank gewesen, dank meiner gesunden Lebensweise würde ich bald wieder auf den Beinen stehen - so dachte ich.

Anfang März nahm ich die Berufstätigkeit zu 50% wieder auf, d.h. zu einem Arbeitseinsatz von 25%. Im Mai reiste ich zusammen mit einer Freundin im Zug wieder nach Südspanien und konnte die Reise mehr oder weniger geniessen. Auch kleinere Wanderungen lagen durchaus im Bereich des Möglichen, auch nach meiner Rückkehr in der Schweiz. Zwar war ich schnell nicht nur müde, sondern erschöpft; aber ich hoffte noch immer, dass sich dies in kurzer Zeit bessern werde. Auch die Lymphdrainage-Behandlung nahm ich wieder auf

Nachdem ich des öftern gehört hatte, dass langwierige Krankheiten manchmal psychischer Natur seien, entschloss ich mich, die Hilfe eines Psychiaters in Anspruch zu nehmen. Berührungsängste hatte ich keine, und meine Scheidung, die nicht ganz so friedlich verlief wie geplant, lag zwar zehn Jahre zurück, aber eine Aufarbeitung würde dennoch gut tun. – Dass ich seine Hilfe in ganz anderen Situationen benötigen würde, ahnte ich noch nicht.

Weiterhin schleppte ich mich durch den All- und Arbeitstag, konnte mir nicht erklären, woher die unerträgliche Müdigkeit mit Magenverstimmungen, Durchfall etc. herrühren konnte. Eine Ernährungsberaterin, die ich während dieser Zeit aufsuchte, machte mich darauf aufmerksam, dass die Rohkost, die ich mir grösstenteils angewöhnt hatte, angezeigt ist für einen jungen, gesunden Körper. Sie riet mir, eher auf gekochtes Gemüse umzustellen, was ich auch tat. Im Sommer fühlte ich mich schwach und schwächer - und zu meiner Pensionierung fehlten noch einige Monate! Da kam mir der Psychiater zu Hilfe, der erklärte, er wolle mich krank schreiben auf unbefristete Zeit. Ich war ihm sehr dankbar dafür. Überdies schluckte ich gehorsam das mir von ihm verschriebene Tolvon, ein Antidepressivum mit beruhigender Wirkung – und erfuhr erst viel später, dass genau der darin enthaltene Wirkstoff mich vor grösseren Schäden der Borreliose bewahren sollte.

Selbstverständlich erkundigte ich mich über alle gesundheitsfördernden Produkte und erstand alles, dessen ich habhaft werden konnte, z.B. Kartoffelwasser, Rüeblisaft, Vollkorn-Getreide, Gelee Royale etc. etc. Mein Leben bewegte sich zwischen Arztbesuchen und therapeutischen Behandlungen.

Mein Freundes- und Bekanntenkreis hatte sich unterdessen nicht nur verringert, er hatte sich auch verändert. Veränderungen im eigenen Verhalten fallen einem selber ja nicht auf – umso mehr den andern. Den Umständen entsprechend konnte ich kaum Einladungen machen, nur kurze Spaziergänge kamen in Frage, Kino- und Theaterbesuche mussten ausfallen – und vor allem hatte ich ausser über meine Krankheit keine Neuigkeiten zu erzählen..... Auch für gute Freund/innen eine belastende Situation. Dafür machte ich die Erfahrung, dass sich plötzlich Leute aus meinem Bekannten- oder Verwandtenkreis für mich interessierten und mir mit Rat und Tat zur Seite standen, mit denen ich zuvor nicht viel Kontakt hatte!

Offen sein für Neues scheint mir in dieser Situation wichtig, nicht nur für neue Freunde, nein auch für neue Therapieformen, Heilmethoden etc.

Im März 1999 konnte ich erstmals meinen Aufenthalt in UUUU auf einen ganzen Monat ausdehnen. Ich genoss es, mit kleinen Wanderungen und vor allem mit Aquarellieren, einem Hobby, dem ich seit Jahren mit Freuden frönte, und das bei dem angenehm milden Klima und den reizvollen Landschaften voll zum Zug kam. Und vor meiner Rückkehr in die Schweiz fühlte ich mich zum ersten Mal wieder richtig gesund! - Es sollte nicht lange dauern.

Kaum zurück hatte ich wieder vermehrt Schlafprobleme. Eigentlich nicht neu, die zahlreichen wegen Schweissausbrüchen gestörten Nächte hatten ihre Folgen. Und der Psychiater erklärte mir, dass sich das Nervensystem eben langsamer erhole als der Körper. Natürlich hatte ich Beruhigungs- und Schlaftabletten (Tolvon und Redormin u.a.) seit längerer Zeit eingenommen, hatte mir auch Hausmittelchen wie warme Milch mit Honig, manchmal ein Glas Wein, Meditation, autogenes Training, das Hören von klassischer Musik etc. angewöhnt, doch brachte dies alles den ersehnten Schlaf nicht mehr.

Eines Morgens, ich hatte die ganze Nacht wach gelegen, machte ich mitten im Zentrum von PPPP auf dem Weg zum Arzt, einen Misstritt und stürzte. Die gequetschten Rippen verursachten mir neue Schmerzen, noch mehr Probleme.

Von nun an wagte ich es nicht mehr, nach einer schlaflosen Nacht nach PPPP zu gehen und ein weiterer Sturz im Garten vor dem Haus gab mir recht. Im Juni unternahm ich zusammen mit zwei Freundinnen einen Ausflug auf den Mont Sujet im Jura. Wohl ermüdete ich ungewöhnlich auf dem Aufstieg, doch erst auf dem Rückweg begannen erneut meine Knie so zu schmerzen, dass ich die steilen Stellen rückwärtsgehend bewältigen musste. Ein MRI (Magnet-Resonanz-Imaging) brachte Klarheit: Eine Baker-Zyste schien diesmal die Ursache zu sein. Im Spital in PPPP wurde nach genauen Abklärungen von Blutbild etc zwei grosse Baker- Zysten entfernt. Erst Jahre später (in der Selbsthilfegruppe SHG) sollte ich erfahren, dass eine Borreliose nach einem operativen Eingriff erneut aufflackern kann, falls nicht gleichzeitig wieder Antibiotika verabreicht wird. Anscheinend war keiner der Ärzte (Homöopath, Chirurg und Anästhesist) darüber orientiert!

Eine unkonventionelle sofortige Hilfe verschaffte mir einzig das Kick-Bord, das eben auf den Markt kam. Mit dem linken, weniger schmerzenden Bein auf dem modernen Trotinett stehend, das rechte in der Luft schwingend, so schaffte ich die Besuche bei den Ärzten und Therapeut/innen. Wieder erhoffte ich von einem Aufenthalt in Spanien die nötige heilende Wirkung doch diesmal blieb diese aus. Im Gegenteil hatte ich anlässlich eines kleineren Ausfluges so starke Schmerzen, dass ich keinen Schritt mehr tun konnte. Nur mit grosser Mühe und starken Schmerzen brachte ich die Rückreise hinter mich.

Meine Arztbesuche wurden nun noch durch eine Cranio-Sacral- und Physio- und Fussreflexzonentherapie erweitert, meine Schmerzen durch Kopfweh, ein Übel, das ich zeitlebens vorher nicht kannte. Die vom Homöopathen verabreichten Globuli und Tropfen schienen keine Wirkung zu zeigen ebenso wenig die Therapie beim Psychiater. Rückblickend und mit andern Zecken-Kranken verglichen muss ich eingestehen, dass all diese Therapien mich wenigstens davon abhalten konnten, regelmässig und stärkere Schmerzmittel einzunehmen.

Es war wiederum durch Zufall, dass ich auf der Suche nach Heilung einen Schritt vorwärts kam. Ein Bekannter machte mich auf einen Artikel in einer Ärztezeitschrift, von einem Arzt aus VVVV aufmerksam, die feststellte, dass durch die Zecken nicht nur Borrelien, sondern auch Babesien übertragen werden. Ein durch seine Intervention in WWWW durchgeführter Bluttest ergab, dass ich auch von diesen Bakterien abbekommen hatte, eine neue Antibiotika-Behandlung stand mir bevor.

Im Juni 2000 begann ich mit der achtwöchigen Behandlung von täglich 1000 mg Zithromax unterbrochen einzig von Welvone-Sirup 2 x 5 ml/Woche eine Menge, die zu verschreiben der Homöopath kaum über sich brachte. Und in dieser Situation war ich froh, meine Bedenken beim Termin mit dem Psychiater besprechen zu können.

Bereits nach 10 Tagen litt ich an Durchfall, nach fünf Wochen wurde dieser so stark, dass ich trotz allen Begleitmassnahmen die Therapie während zwei Wochen absetzen musste. Und als die achtwöchige Behandlung fertig war, war auch ich nichts anderes als erschöpft! Immerhin notierte ich im September in meiner Agenda ?fast ohne Schmerzen!

Während dieser Zeit musste ich erneut die Erfahrung machen, dass auch meine besten Freundinnen nicht in der Lage waren, mir zu helfen oder auch nur meine Bedenken und Klagen anzuhören. Am schlimmsten empfand ich die Bekannten, die eine Erkrankung überhaupt nicht zur Kenntnis nahmen und auch nichts darüber erfahren wollten. Mein Sohn war unterdessen aus der Wohnung ausgezogen und meinen Nachbarn kam meine lange Krankheit verdächtig vor. Auf meine nächste Reise nach Spanien nahm ich mein Fahrrad mit – mit einem kleinen Aufpreis ist dies im Flugzeug möglich.

Ich machte je länger je mehr die Erfahrung, dass Bewegung meinen Knien wohl tut, die Belastung meines Körpergewichtes jedoch nicht. Also kam nur Velo fahren und schwimmen in Frage. Und das genoss ich ausgiebig.

Zurück in PPPP entschloss ich mich endlich, von dem mich behandelnden Homöopathen Abschied zu nehmen. Im „Natürlich“, der Zeitschrift, die mir dank der Gesundheitskasse EGK monatlich ins Haus flog, hatte ich durch einen Leserbrief erfahren, dass im Falle meiner Krankheit die von einem Prof. ABCD entworfenen und von der Firma Sanum vertriebenen Produkte Hilfe bringen. Ich machte ausfindig, welcher Arzt in PPPP diese Produkte verschreibt, und liess mich an diesen überweisen.

Dieser Arzt versuchte u.a. mit Alkala die Übersäuerung im Körper in Schach zu halten und dadurch meinen Gesundheitszustand allgemein zu verbessern. Er fragte nach meinen Essgewohnheiten, „vollkornig und biologisch“ war meine Antwort. Fleisch ass ich lediglich 1-2 Mal wöchentlich. Dann riet er mir zu Neuraltherapie. Erstmals hörte ich von dieser Behandlungsmethode und liess diese in Anwendung kommen. Obwohl ich ausser der ein Jahr zuvor erfolgten Zysten-Operation keine grösseren Operationen mit entsprechenden Narben habe, behandelte dieser Arzt verschiedene vernarbte Körperstellen, den gynäkologischen Raum und die Tonsillektomie-Narben, was zu einer kleinen Besserung führte. Auch Ozon-Therapie kam zur Anwendung. Lymphdrainage und Fussreflexzonen-Behandlungen wurden weitergeführt.

Anlässlich meines Aufenthaltes in UUUU lernte ich eine weitere Therapie-Art kennen: Radionik. Meine beiden Knie waren ja noch immer geschwollen, eine Infektion machte sich darin breit, jeder Schritt schmerzte. Jedoch auch diese Therapie versagte. Und als ich mich endlich dazu entschloss, der Selbsthilfegruppe für Borreliosekranke beizuwohnen – da erfuhr ich auch dort mehr über Probleme als über Lösungen.

Was irritierend ist bei den vielen Therapiemöglichkeiten ist, dass die Krankheit wellenartig verläuft, sodass man bei einer kurzen Besserung nicht weiss, ob eine Therapie das Wunder gewirkt hat oder ob man einfach ein „Wellenhoch“ erreicht hat – und umgekehrt. Nach Jahren der Unsicherheit habe ich mir angewöhnt, die wiederkehrenden „Talsohlen“ in meiner Agenda vorzumerken und an diesen Tagen/Wochen weniger oder nichts abzumachen.

Wie dankbar war ich während dieser mehr und mehr schwierigen Zeit für all die guten Geister die mich auf einen Ausflug mitnahmen und auf meine reduzierten Möglichkeiten Rücksicht nahmen. Herzlichen Dank auch bei dieser Gelegenheit!

Vorerst ging es mir im Laufe des Jahres 2001 trotz Physiotherapie, trotz wohltuender Fussreflexzonen-Therapie, Velofahrten als einzige sportliche Bestätigung, ja trotz Aufenthalt in Südspanien im April und Mai eher schlechter: Schweissausbrüche besonders nachts, Kopf- und Knieschmerzen, Schwindel. Dann trat plötzlich ein Abszess am Bauch auf. Nach einer telefonischen Absprache mit dem Arzt, riet er mir, diesen mit warmen Kamillen-Umschlägen zu behandeln. Als ich ein paar Tage später und mit aufgebrochenem Abszess in die Praxis kam, musste ich erfahren, dass eine intensivere Behandlung mit Antibiotika von Vorteil gewesen wäre. Ich wurde ob dieser ärztlichen Bemerkung nicht klug: Mein Bauch schmerzte seit wenigen Tagen etwa so stark wie mein Knie seit Jahren...

Im Sommer 2001 entschloss ich mich meine schöne ländliche Wohnung im XXXX aufzugeben und gegen eine Genossenschaftswohnung in PPPP zu tauschen. All die Arzt- und Therapiebesuche waren dann leichter auszuführen. Meine Knie liessen mich keinen Schritt tun, noch weniger eine Treppe steigen, ohne massive Schmerzen. Für das Packen, das Putzen, die ganze „Züglete“ sowieso war ich auf fremde Hilfe angewiesen – vor allem mein Sohn hat mit beiden Händen zugepackt. Gemäss Reglement war es den Spitex-Hilfen nicht erlaubt, bei einem Umzug zu helfen... Zum Glück kannte ich genug hilfsbereite Leute – und das Bezahlen war mir ebenfalls gut möglich, hatte ich doch während der letzten Jahre - dank meiner Krankheit- kaum mehr einen Laden betreten und folglich etwas „gespart“.

Als „Haushalthilfe“ hatte ich längst einen Bürostuhl mit Rollen in der Küche, dank dem ich wenigstens die Zubereitung der Mahlzeiten sitzend ausführen konnte.

Der „gute“ Tipp einer Verwandten, doch einfach ein künstliches Kniegelenk anbringen zu lassen, nützte nichts: Ein entzündetes Knie kann nicht operiert werden.

Anlässlich einer Zusammenkunft in der SHG hatte ich die Bekanntschaft einer Frau gemacht, deren Krankheitsverlauf sehr ähnlich dem meinigen verlief und die dank Akupunktur Genesung fand. Kurzentschlossen meldete ich mich bei einem entsprechenden Arzt an. Doch auch diese Therapie wollte bei mir keine Wirkung zeigen.

Therapien die bei den einen Zeckenkranken eine heilende Wirkung zeigen, sind nicht unbedingt wirksam bei andern an derselben Krankheit leidenden Personen.

Anlässlich einer weiteren Konsultation bei dem guten Diagnose-Spezialisten in RRRR wurde mir geraten, eine Synovektomie am rechten Knie durchführen zu lassen – bevor diese jedoch ausgeführt werden konnte, begann auch das linke Knie zu schmerzen und dann das linke Handgelenk... Eine Punktierung des Knies zeigte eine sehr hohe Zellzahl von 47800 (Normalwert ca. 200). Dieser Befund ermöglicht jedoch noch keine klare Diagnose. So wurde ich in die Rheuma- und Reha-Klinik in YYYY eingewiesen, dies im Oktober 2001.

Nun war ich soweit, dass ich alle Therapien akzeptierte. Nun, da die „alternativen Heilmethoden“ keine Besserung brachten, blieb mir nichts anderes übrig – ausser ich wollte mich in einen Rollstuhl setzen und in eine Alterswohnung ziehen, wie mir eine Freundin riet.

Im Oktober verbrachte ich drei Wochen in YYYY und wieder erfolgten genaue Untersuchungen. Die langen Korridore konnte ich nur dank dem Trotinett, meinem treuen Begleiter, bewältigen. Und als die Ärzte mir kurzerhand Prednison (20mg/Tag), ein Cortison-Produkt, verschrieben, wehrte ich mich nicht mehr dagegen, obwohl ein auf Zeckenkrankheiten spezialisierter Arzt vor diesem Medikament warnte und ich bis anhin Wert auf Naturheilmittel legte.

Mein Knie wurde in Einzeltherapie von einer Physiotherapeutin wieder in Bewegung gebracht, die Schwimmhalle mit 28° stand mir auch ausserhalb der Therapiestunde zur Verfügung, zudem wurden Solewickel an Knien und Handgelenk verabreicht und schliesslich hatte ich Gelegenheit, in einer Gruppe an Qi-gong und Tai-chi, an autogenem Training und Feldenkrais teilzunehmen. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass ein entspannter Körper bessere Heilungschancen hat. Ich hatte autogenes Training und Meditation vor allem als Einschlafmittel benutzt. Zudem reifte in mir die Erkenntnis, dass die „Zufälle“, die uns im Leben oft „zufallen“ mehr Möglichkeiten haben, von uns wahrgenommen zu werden, wenn wir wenigstens eine kurze Meditation täglich vornehmen.

Kurz, gegen Ende des Aufenthaltes konnte ich wieder auf meinem Beinen stehen und kleine Ausflüge auf dem Fahrrad unternehmen. Diese Sportart wurde mir auch vom Arzt empfohlen, eben so wie eine Reduzierung und ein langsames Ausschleichen des Cortison- Medikamentes. Mit neuem Elan und frischen Hoffnungen ging ich zurück nach PPPP. Jetzt, wo ich wieder mobiler war, spürte ich die Müdigkeit doppelt. Und als es kalt und kälter wurde und die tägliche Stunde auf dem Velo wegen Schnee und Eis ausfiel, machte sich das Knie prompt wieder bemerkbar, die Prednison-Dosis musste wieder auf 20 mg erhöht werden, ein Hometrainer wurde angeschafft. Ins Jahr 2002 ging ich wiederum geschwächt, mit Kopfschmerzen und Schlafproblemen. Auch meine Augen machten mir zu schaffen: Nach kurzer Lektüre ermüdeten sie, noch mehr am Fernseher oder Bildschirm. Eine Abklärung bei einer Augenärztin ergab, dass die letzte Brillenkorrektur noch immer stimmte, Blutdruck und alles in Ordnung waren.

Auf Anregung meines Arztes meldete ich mich in der BCDE-Klinik in ZZZZ an, wo ich im Januar/Februar während drei Wochen „kurte“. Hier legte die amtierende Ärztin Wert auf eine vegetative, biologische Ernährung als Grundlage, zudem kam ich in den Genuss von vielfältigen Therapien. Auf Grund einer Dunkelfelddiagnostik kamen Lymphdrainage, Schröpf-Massage, Colon-Hydro (Darmbad), Sauna, Infrarot, Infusionen von Vitaminen und Mineralien zur Anwendung. Dazu die hehre Bergwelt, die kleinen südlich anmutenden Dörfer: Pure Erholung für Körper und Seele. – Lediglich das Portemonnaie wurde strapaziert; auch nach Zahlung der Zusatzversicherung blieben ein paar Tausender zu meinen Lasten.

Selbst nach Austritt aus dieser Klinik merkte ich, dass ich viel weniger „Gluscht“ nach Schleckereien verspürte und die gesundheitsfördernde Wirkung aus diesem Grund länger anhielt. Anfangs März machte ich mich wiederum auf den Weg, d.h. auf den Flug nach AAAA. Allerdings musste ich mich am Flughafen mit einem Taxi zum 63 km entfernten UUUU fahren lassen. Dort stieg ich täglich auf das mir zwischenzeitlich lieb gewordene Fahrrad. Anfangs April, bei starkem Wind, machte ich allerdings einen Sturz und eine vorbeifahrende Autofahrerin musste mir auf die Beine helfen. Die Schürfungen an Arm und Bein wurden im Gesundheitszentrum verbunden. Dem mich behandelnden Arzt sagte ich, dass ich an Borreliose erkrankt sei, in der Befürchtung, dass durch die Wunden die Borrelien aktiviert werden könnten. „No importa“, war seine spontane Reaktion, „esto es superficial“, diese Wunden seien oberflächlich. Also schien er um die Borrelien und deren erneute Ausbreitung im Fall einer Verletzung zu wissen. Zudem war die Behandlung samt verordneten Tetanus-Impfungen gratis.

Jede Krankheit hat verschiedene Ursachen – und muss aus diesem Grund auch auf verschiedenen Wegen angegangen werden. Diese Erkenntnis scheint besonders bei der Zeckenkrankheit zuzutreffen.

Aus diesem Grund liess mich mein Arzt eine Panorama-Röntgenaufnahme des gesamten Kieferbereiches machen. Beim Zahnarzt hatte ich wohl alle meine (verbliebenen) Zähne samt Wurzeln untersuchen und röntgen lassen, ohne auf etwas Verdächtiges zu stossen. Auf der Panorama-Aufnahme hingegen war deutlich ein Fremdkörper im untern Kieferknochen zu sehen. Nach einer vorbeugenden Antibiotika-Gabe wurde mir am Zahnärztlichen Institut ein Stück Amalgam aus dem untern Kieferknochen entfernt. Dieses muss anlässlich einer Zahnextraktion herausgefallen und während Jahren, vielleicht Jahrzehnten unbemerkt dort gesteckt haben. Und siehe da: Bereits nach wenigen Tagen spürte ich wie sich etwas in meinem rechten Knie lockerte. Wieder war ein Meilenstein auf dem Weg zur Gesundheit erreicht. Es sollte nicht der letzte sein. Ab Mitte September bis Mitte April 2003 weilte ich in Spanien, mit einem kurzen Abstecher in die Schweiz über Weihnachten. Erneut versuchte ich, langsam aus die Cortison-Einnahme abzubauen, was mir auch bis Ende 2003 gelingt, jedoch nicht ohne Rückfälle.

In Spanien geht es mir so gut, dass ich an einem Kurs für orientalischen Tanz beiwohnen kann – wie ich es geniesse, den ganzen Körper bewegen zu können! Wie viel besser, viel anregender es sich fühlt in einem Körper, der sich bewegen kann. Und auch mein Geist erfährt neue Impulse indem ich beginne einer alten Leidenschaft zu frönen: Dem Schreiben von Artikeln für eine Zeitung und eine Zeitschrift.

Einmal mehr erfahre ich zuhause einen Rückfall, diesmal zum Teil selbstverschuldet. Optimistisch und nach relativ gutem Schlaf in Spanien setzte ich das Tolvon nach meiner Rückkehr ab – und nach kurzer Zeit machten sich Schlafschwierigkeiten bemerkbar. Seit Beginn der Krankheit wurde meine Nachtruhe gestört. Waren es zu Beginn die Schweissausbrüche, der Durst und die Schmerzen, die mich am Schlafen hinderten, so hatte ich nun vermehrt Mühe einzuschlafen. Da halfen weder die Meditationen noch das autogene Training, weder die pflanzlichen Tropfen noch die vom Arzt seit Jahren verschriebenen wechselnden Schlaftabletten wie Redormin, Insidon, Stilnox oder Chloraldurat. Und wenn ich in den ersten Jahren der Krankheit eine gänzlich durchwachte Nacht einigermassen überstand (wenn auch mit div. Stürzen), so merkte ich, dass mein Nervensystem dies nicht mehr verkraftete. Ich fühlte mich elend, zu müde, zu erschlagen irgend etwas Nützliches zu tun. Auch die Schlaftherapeutin in BBBB, zu der mich der Arzt überwiesen hatte, konnte mir ausser einigen guten Tipps und dem Rat einem Schlaflabor beizuwohnen, nicht weiterhelfen.

Darunter der wertvolle Tipp, dass ein Glas Wein wohl für eine kurze Zeit den Schlaf fördern, auf längere Zeit diesen jedoch eher verhindere. Zudem erfuhr ich, dass Psychopharmaka wie das Tolvon erst ca. drei Wochen nach der Einnahme seine Wirkung entfaltet. Unterdessen fühlte ich mich so elend, dass ich am liebsten aus dem Fenster gesprungen wäre – und dies Kopf voran.

Kurze Zeit später bekam ich den Vortrag zu lesen, den ein Arzt in PPPP gehalten hatte. Und sofort spürte ich: Ja, genau wie darin beschrieben ergeht es mir. Unverdrossen schrieb ich ihm und bat ihn um einen guten Rat. Und freundlicherweise kam dieser mit einem Rezept-Vorschlag, der dann von meinem Arzt ausgeführt wurde.

Anscheinend wird durch die Borreliose ein Serotonin-Defizit geschaffen, das durch gewisse Schlafmittel (z.B. Stilnox) auf längere Zeit noch akzentuiert wird. Andererseits wirken Sonne und Wärme dem Serotonin-Abbau entgegen und auch Antidepressiva (wie Tolvon) haben einen positiven Einfluss auf dieses Geschehen.

Das mir verschriebene Tript-OH zusammen mit dem weiter indizierten Tolvon sowie einigen Tropfen von Valeriana von Ceres zeigte innerhalb von wenigen Wochen die gewünschte Wirkung: Meine Müdigkeit lässt sich mit Schlaf kurieren, jede Nacht bin ich 9-11 Stunden im Bett, mittags eine kurze Siesta und ich bin wieder wohl bis am Abend.

Nach wie vor bin ich der Überzeugung, dass – besonders klassische - Musik eine heilbringende Wirkung erzielt. Und wenn die Kühe bei Musik mehr Milch geben, die Maisfelder reichere Ernte hervorbringen – warum sollte die nach einer bestimmten Harmonielehre komponierte Musik nicht auch auf unseren ganzen Organismus einen positiven Einfluss haben?

Schlussendlich sei noch der Strohhalm erwähnt, den zu ergreifen auch ich nicht widerstehen konnte: Geistheiler. Der erste, in einem kleinen DDDD Bauerndorf ansässig, erkannte ohne Mitteilung meinerseits, dass mein Gebrechen im Bein anzutreffen war und ich spürte auch, wie Energien aus seinen Händen in mich übergingen. Allein eine Heilung war dadurch (noch) nicht zu erreichen. – Durch eine zweite „heiltätige“ Familie im EEEE erhielt ich eine Kassette mit einschläfernden Musikstücken und Texten, die eine gewisse Wirkung hatten. – Die dritte Behandlung durch einen FFFF der einer Bekannten von mir einen Tumor entfernt hatte, blieb bei mir wirkungslos. Anscheinend ist es auch für Geistheiler einfacher, einen „Fremdkörper“ zu entfernen, als einen angeschlagenen Körper zu „reparieren“.

Und heute, wenn ich nach einer langen Nacht mit gut zehn Stunden Schlaf erwache, erwache ich in ein neues Leben: Ohne Schmerzen, während einigen Stunden ohne Müdigkeit, ja unternehmungslustig, immer unter der Bedingung, dass ich jederzeit meinem Körper und seinen Bedürfnissen Priorität gebe, dass ich esse, was mein Magen verlangt, und dass ich den Abend in Ruhe verbringe, am besten mit beruhigender Musik, kein TV (oder höchstens eine halbe Stunde), kein Kino, keine mehrtägigen Reisen etc.

Und dann kann es passieren, dass ich das Jammern der Kollegin mit derselben Krankheit nicht verstehe: So jung und von kräftiger Statur und doch so schwächlich? Mit einem Mal fühle ich mich in der selbstgerechten Situation des Gesunden, der versucht ist, die Krankheit des andern als übertrieben dargestellt, als nichtig, ja vielleicht als selbstverschuldet abzulehnen... So klein kann mitunter der Schritt zwischen krank und gesund sein!


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Lebensgeschichte von Kaspar

Bericht als pdf

Ich bin 1971 in ländlicher Umgebung geboren worden und aufgewachsen. Meine Freizeit verbrachte ich vor allem mit Spielen im Garten, mit Wandern im Wald und in den Bergen, an der Aare und am See. Unsere Ferienziele waren die Berge (Simmental) und Südfrankreich (Camargue und Cevennen).
1983, nach der Rückkehr aus Südfrankreich erkrankte ich an starkem Kopfweh, hohem Fieber, Gliederschmerzen, Unbeweglichkeit, (ich konnte nicht mehr Gehen). Abklärungen über Wochen im Kinderspital ergaben: Muskelbeschwerden unbekannter Herkunft. Ein Arzt sagte: wir haben keine Ahnung was da abläuft.. Antibiotika brachte nach langer Zeit eine Besserung. Zurück blieb Müdigkeit.
Nach Schulabschluss machte ich bei Globus die Lehre als Dekorationsgestalter. Freizeit weiterhin Wald, Wasser, Fahren mit Kanu und Segelschiff, Zelten usw. Ferien in Südfrankreich Toskana und Griechenland, immer in südlichen Ländern. Im 4. Lehrjahr machten mir grosse Müdigkeit, Schwindel, Lichtempfindlichkeit und Gangunsicherheit immer mehr zu schaffen. Dazu Lähmungserscheinungen im Gesicht , am Rumpf usw. Eine ärztliche Kontrolle ergab vorerst eine unbekannte Viruserkrankung, die lange anhalte.-----Abwarten! Ich warte heute noch!
Bis zur Abschlussprüfung 1992 erholte ich mich. Ich reiste für einen Sprachaufenthalt nach London, wo es mir gesundheitlich auch gut erging. Nach meiner Rückkehr 1992 war die Rezession stark spürbar. Dekorateure waren nicht mehr gefragt, sondern VerkäuferInnen mit Flair zum Dekorieren. Ich nahm deshalb eine Stelle im Service an und arbeitete mich gut ein. Meine Krankheit machte sich wieder bemerkbar mit all den bekannten Symptomen. Ich musste 1994 die Stelle aufgeben. 1995 arbeitete ich noch für das Kornhaus Bern (Ausstellung über textile Spitzengewebe). Seither konnte ich nur noch ab und zu arbeiten.
Im Frühsommer 1995 wurde die Diagnose MS aufgrund einer Kontrolle der neurologischen Funktionen und einer MRI (ohne Lumbalpunktion) gestellt. Die mir vom Spezialarzt vorgeschlagene Chemotherapie (Mitoxanthron) wollte das zuständige Spital wegen zu hohem Risiko nicht durchführen. Der Spezialarzt hat darauf lange Zeit überhaupt nicht reagiert. Ich wandte mich der Homöopathie zu. Sicher nicht ganz ohne Erfolg., Müdigkeit und Kopfweh liessen erheblich nach und sind heute kein wirkliches Thema mehr. 1998 Diagnose Borreliose (Neuro Borreliose). Das Gehen wurde immer mühsamer und unkontrollierter, die Hände versagten auch immer mehr. Schreiben z. B. ist nicht mehr möglich. Ich gehe mühsam an zwei Stöcken seit Juli 2002 ab und zu im Rollstuhl. Meine Aktivitäten sind im Moment pro Woche 2 Stunden arbeiten in einer Bibliothek, 1 Stunde Hippotherapie 2 Lektionen Physiotherapie und 1 Stunde Gesangsunterricht und 1 Stunde Bioresonaztherapie. Daneben zermürbende Kämpfe mit Versicherungen, Ämtern, und Ärzten (Neurologen), die Diagnose Borreliose immer wieder anzweifeln.- Das übrige ist Freizeit, aber durch viele Hindernisse stark eingeschränkt, eher unmöglich.


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Lebensgeschichte von Felizitas

Bericht als pdf

Aufgewachsen in einem schönen, gemütlichen Schweizer Dorf, genoss ich den ländlichen Frieden bei Spiel und Spass auf Feld und Wiese. Die grösste Freude fanden wir Kinder in den zahlreichen, prächtigen Wäldern. Welcher Wald birgt etwa nicht genügend geheimnisvolle Rätsel, welche so viele unschuldige Kinderherzen zu lösen versuchen? Doch welches Kind, - ja gar welche Mutter oder welcher Vater -, ahnt nur im geringsten, dass zwischen diesen Rätseln tiefgreifende Gefahren lauern? Nein! Wir machten uns einen Spass daraus: „Kuck mal, du hast so viele Mücken- und Milbenstiche. „Dich juckt es nun ganz fest.“ – „Mich mögen dafür die Tiere! Mein Blut schmeckt ihnen.“ Fleissig zählten wir unsere Bobbeln und waren sogar stolz, wenn wir mehr davon aufweisen konnten als andere. Wer hätte da gedacht, dass so kleine Tiere auch Bakterien- und Virenerkrankungen übertragen können?

So geschah es, dass meine Eltern nicht darauf kamen, was los war, als sich in meinem 11. Lebensjahr eine schwere Erkrankung bemerkbar machte. Anfangs dachten wir, es sei eine gewöhnliche Grippe. Doch sie wollte nicht enden. Die ärztliche Diagnose lautete zuerst Kopfgrippe, Hirnhautreizung, bis es zur Hirnhautentzündung wurde und - „das wird schon wieder“. Nach etwa 9 Monaten schaffte ich erneut den Schritt in den Alltag. Aber „es wurde nicht wieder!“
Seither gibt es für mich keinen Tag mehr, an welchem mich nicht mühselige Kopfschmerzen plagen. Ein Phänomen, welches mir bis zum Ausbruch der Erkrankung völlig unbekannt war. Dazu summierten sich immer mehr Symptome. Ich wurde meist regelmässig von Infektionsschüben heimgesucht. Trotzdem besuchte ich meiner vielen Interessen wegen das Gymnasium und ging allerlei Freizeitbeschäftigungen nach. Schmerzlichst musste ich von diesen Freunden ablassen. Die Krankheit liess es nicht mehr zu. Bis ich sogar - trotz guten Leistungen - die Schule verlassen musste. Ich gab mich dem Schicksal hin und dachte: jetzt aber werde ich gesund!
Doch dem war nicht so. Dies bewog mich, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. In meinem 18. Lebensjahr stellte mein neuer Doktor sofort die Diagnose Borreliose. Er sagte: „das macht ja nichts.“ Er fand noch ein anderes Übel - wahrscheinlich auch Borrelien bedingt (dies lässt sich erst nach einer Therapie nachweisen) - und meinte, wenn ich mich operieren liesse, gingen meine Bauchschmerzen, meine Gelenkbeschwerden, Fieberschübe, usw. weg. Er merkte jedoch selber, dass nicht alle meine Symptome verschwanden. Dazu waren sie zu vielfältig. Er war nicht der einzige meiner Doktoren, welcher lachte und meinte: „Gehen sie doch ins Altersheim! Sie haben ja alles Altersbeschwerden.“
So sah ich, dass eine Operation nicht das Allwundermittel war gegen meine Erkrankung. Dies bewog mich abzuwarten, bis ich durch die immer häufiger auftretenden Infektionsschübe so sehr gezeichnet war, dass mir das andere Übel zu viel war. Ich ging also - mittlerweile 22 Jahre alt - unter das Messer.
Doch oh weh! Das löste mir einen sehr starken Krankheitsschub aus. Ich landete für 2 Monate in einer Klinik. Ich konnte fast nicht mehr atmen, noch schlucken wegen Muskelkrämpfen. Mit dem Gehen bekam ich auch immer mehr Mühe. Diagnose: Borreliose. Aber das kann ja nicht sein! So viele Symptome allein wegen einer Borreliose? Darauf hin wurde ich auf eine unendliche Ärzte-Odyssee geschickt.
Bis endlich ein Arzt meinte: Borreliose? Was? - Sofort behandeln! Leider wurde ich so behandelt, als hätte ich diese Krankheit erst seit etwa zwei Wochen. Folglich verschwanden meine Symptome nicht gleich. Dies bewog meinen Arzt dazu, mich weiter zu verschiedensten Spezialisten zu schicken. Bis ich selbst aufmerksam wurde und fand; - das kann ja nicht sein!
Zuletzt pilgerte ich endlich doch zu einem Zeckenspezialisten. Wieder Liquor-Entnahme und all die Tortouren. Bis ich nun endlich, 24 jährig, eine vierwöchige Rocéphine-Kur machen durfte. Doch die Heilungschancen stehen noch nicht fest. Erst nach einem Jahr kann man sehen, ob die Therapie eingeschlagen hat oder nicht. Aber ich bin überzeugt, dass man auch von einer solchen nun chronischen Krankheit geheilt werden kann.
Und so fände ich es ganz toll, wenn man von Seiten der Medizin eine sichere Methode finden kann, um die Zeckenerkrankungen zu besiegen. Alles braucht seine Zeit. Meiner Meinung nach ist sie nun da. Die Zeit, wo man die sämtlichen von Zecken übertragenen Krankheiten weiter und tiefer erforschen soll, um ein geeignetes Gegentherapeutikum zu finden. Mein Dank ginge auch an alle Mediziner, wenn immer mehr Verständnis von ihnen gezeigt würde. Denn auf meinen ganzen Irrwegen bin ich doch, so kann man es sagen auf sehr viel Widerstand gestossen. Ich wäre auch sehr froh, wenn von Seiten der Versicherungen noch mehr Anerkennung gebracht würde.
Trotz der Erkrankung, welche mich 100 % arbeitsunfähig macht, bin ich willig mein geliebtes Studium zu absolvieren. Leider muss ich auch dort sehr darum kämpfen, dass ich es aus Gesundheitsgründen nicht verlieren muss. Viele Professoren üben starken Druck aus und verstehen nicht, wie wichtig es für mich wäre, den Schulstoff evt. über längere Zeit zu verteilen oder sonst eine Möglichkeit zu finden, trotz Therapien, Erschöpfung und Schmerzen nicht aufgeben zu müssen. Im Gegenteil: viele wollen einem als psychisch anormales Wesen degradieren. Doch kann man etwa mit so vielen Einschränkungen herumhüpfen, wie ein gesunder Mensch? Da verändert sich halt nun einmal die Lebensführung.
Ich unterstütze es aus all meinen Erfahrungen heraus vollkommen, unseren krankheitsfreien Mitmenschen zu zeigen, wie es sich auch mit einer Krankheit leben lässt, wenn man die nötige Unterstützung und Anerkennung empfangen darf. Mit herzlichstem Dank für all Ihre Aufmerksamkeit, verbleibe ich hiermit. Felizitas